Pubertät – “Erwachsen werden”

Forschungen bestätigen, dass in der Zeit der Pubertät eine Umstrukturierung des Gehirns stattfindet. Es ist sozusagen eine Baustelle und darum nicht komplett einsatzfähig. Die Jugendlichen wissen womöglich tatsächlich nicht immer, was sie tun.

Neben den hormonellen Veränderungen könnte diese Umstrukturierung an den Launen pubertierender Jugendlicher schuld sein, an ihren für uns oft überraschenden, wütenden Reaktionen. Die Jugendlichen verlieren in dieser Phase viel von ihren Fähigkeiten, die Gefühle anderer Menschen und soziale Szenerien einzuschätzen. Daraus resultiert Unsicherheit in emotionalen Situationen. So interpretieren sie die sorgenvolle Miene des Vaters als wütend und reagieren entsprechend. Eltern und Pädagogen sind dieser Entwicklungsphase jedoch nicht hilflos ausgeliefert.

Lernen Sie zuzuhören:

Erwachsene glauben oft, sie müssten Lösungen parat haben. Gespräche sind umso wirkungsvoller, je weniger die Erwachsenen reden. Die Jugendlichen möchten gehört und ernst genommen werden. Ihre andere Einstellung sollen gelten gelassen werden, ohne Abwehr, Kritik oder Ungeduld zu äußern. Das ist Teil der Lösung, weil das Kind sich in einem wesentlichen Teil seiner Person akzeptiert fühlt.

Verstehen heißt nicht, alles zu tolerieren:

Eltern müssen Grenzen setzen. Gerade weil bei den Jugendlichen vieles im Umbruch ist, suchen sie nach Orientierungen, nach tragenden Ordnungen. Da sind erwachsene Bezugspersonen gefordert, an denen sich die Jugendlichen reiben und messen können. Grenzen setzen heißt nicht, verbieten, bestrafen, entwerten, sondern die Persönlichkeit des Anderen zu respektieren.

Nehmen Sie den Ärger des Jugendlichen ernst:

Es ist ärgerlich, wenn Grenzen gesetzt werden. Es gilt, den Jugendlichen zu vermitteln, dass ihr Ärger verstanden wird.

Du-Botschaften sind destruktiv:

Du-Botschaften enthalten fast immer eine negative Bewertung, sind meistens mit Verallgemeinerungen verbunden und werden zu Recht als ungerecht empfunden.

Ich-Botschaften sind konstruktiv:

Reden die Erwachsenen deutlich von ihren Gefühlen, ihren Wünschen und Regeln (”Ich ärgere mich, wenn du…” – und nicht “Du ärgerst mich. . .”) und beschreiben konkret das Verhalten, das sie kritisieren, ohne Verallgemeinerung, verletzten sie die Beziehung zu den Jugendlichen nicht. Entscheidend ist, dass die Ich-Botschaft keine negative Zuschreibung enthält.

Auch Jugendliche brauchen Lob:

Loben kommt in unseren Beziehungen häufig zu kurz. Auf eine Kritik sollte viermal gelobt werden.

Lassen Sie sich nicht auf einen Machtkampf ein. Statt dessen:

- brechen sie eine Diskussion auch mal ab, aber nicht so, dass der Jugendliche als Schuldiger zurück bleibt.

- Fragen Sie sich, worum der Jugendliche in dieser Situation kämpft. Vielleicht lässt sich das dahinter liegende Bedürfnis auch anders erfüllen.

- Fragen Sie sich, woraus der eigene Ärger resultiert. Ist es das Gefühl, eine schlechte Mutter zu sein? Bekommen die Jugendlichen einen Teil des Ärgers ab, der sich etwa an den Chef richtet?

- Nehmen Sie nicht alles persönlich.

Suchen Sie gemeinsam nach Lösungen:

Die Mitbeteiligung an einer Lösung gibt den Jugendlichen das Gefühl von Wertschätzung und Achtung ihrer Person. Nicht jede Regel muss lange diskutiert werden. Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen brauchen auch den Mut, Anforderungen durchzusetzen. Mit den Jugendlichen zusammen sollten auch praktikable Konsequenzen für beide Seiten bei Nichteinhaltung der Absprachen festgelegt werden.

Eltern und Erzieher können nie alles richtig machen und trotzdem gute Eltern und Pädagogen sein. Die Jugendlichen in ihrer Umbruchphase brauchen Erwachsene, die es sich erlauben, Fehler zu machen und sich für diese aber auch entschuldigen können.