Nachhilfe – Was Eltern wissen sollten

Wenn es in der Schule hapert oder wenn sogar die Versetzung gefährdet ist, schicken Eltern ihre Kinder immer öfter zur Nachhilfe. Die Hoffnung: Durch gezielte Förderung das Kind wieder zurück in die Spur zu bringen.

Die Branche boomt. Nach Angaben der Stiftung Warentest schafft jeder vierte Schüler in Deutschland die Schule nur mit Zusatzunterricht. Die größten Probleme gibt es in den Fächern Mathematik, Englisch und Deutsch. In Deutschland gibt es mehr als 4000 gewerbliche Nachhilfeinstitute. Wie viele private Lehrer sich auf dem Markt tummeln, ist unklar. Deshalb lässt sich auch nicht genau sagen, wie viel Geld Eltern für die Nachhilfe ihrer Kinder ausgeben. Die Schätzungen belaufen sich auf ein bis zwei Milliarden Euro im Jahr.

Dass die Nachfrage so groß ist, hat mehrere Gründe. Zum einen wünschen sich Eltern für ihre Kinder wegen konstant hoher Arbeitslosenzahlen einen möglichst hohen Schulabschluss, um die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Dies führt jedoch auch dazu, dass Kinder auf dem Gymnasium überfordert sind, weil sie eigentlich auf einer Real- oder Gesamtschule besser aufgehoben wären. Zum andern ist das Vertrauen der Eltern in das deutsche Bildungssystem seit der Pisa-Studie zurückgegangen: Die Klassen sind zu groß, die Lehrer zu alt, der Unterricht fällt zu oft aus. Zudem haben Eltern heute viel weniger Zeit, sich in Sachen Schule selbst um ihre Kinder zu kümmern. Da die Zahl der Einzelkinder stetig steigt, fällt auch die Hilfe von älteren Geschwistern weg..

Wann Nachhilfe sinnvoll ist

Zusatzunterricht ist angeraten, wenn ein Kind durch einen Umzug oder eine längere Krankheit Unterricht versäumt hat. Manchmal liegen die Gründe für einen Leistungsabfall auch in der Familie. Ein Todesfall oder die Scheidung der Eltern beeinträchtigen Konzentration und Aufnahmefähigkeit. Ein Nachhilfelehrer kann auch dann Wissenslücken schließen, wenn Kinder durch häufigen Lehrerwechsel, Unterrichtsausfall oder eine zu große Klasse aus dem Tritt kommen. Wichtig ist, dass das Kind sich selbst zur Nachhilfe motivieren kann. Sonst sind die Erfolgsaussichten gering. Die Nachhilfe sollte jedoch nicht zu lange andauern. Nach sechs bis neun Monaten sollten Fortschritte erkennbar sein, sagen Experten. Öfter als zwei Mal in der Woche sollten Kinder nicht zum Nachhilfe-Unterricht geschickt werden, sonst bleibt ihnen zu wenig freie Zeit.

Nachhilfe ist jedoch nicht immer sinnvoll. Eltern sollten überlegen, wo die Ursachen für die schlechten Leistungen liegen. Bei Problemen sollte der Klassenlehrer erster Ansprechpartner sein. Er kennt die Stärken und Schwächen des Kindes. Hapert es in mehreren Fächern, ist ein Kind vielleicht generell mit den Anforderungen überfordert. Dann sollte man überlegen, ob es nicht besser die Schulform wechselt. Hat ein Kind eine Lese-, Schreib- oder Rechenschwäche oder ein Aufmerksamkeits-Defizitsyndrom, macht Nachhilfe keinen Sinn. Dann muss es speziell gefördert werden.

Gewerblich oder privat?

Wer Zusatzunterricht für sinnvoll hält, muss sich zwischen einem Nachhilfeinstitut und einem privaten Lehrer entscheiden. Das kann auch ein Schüler oder Student sein. Privatunterricht hat viele Vorteile. Der Lehrer kann das Kind individueller und intensiver betreuen, die Zusatzstunden sind preisgünstiger als in einem Institut, und bei Unfähigkeit oder Unzufriedenheit kann der Lehrer schnell wieder vor die Türe gesetzt werden.

Wichtig: Nachhilfe bringt nur Erfolg, wenn die Chemie zwischen Privatlehrer und Schüler stimmt. Das Kind muss den Lehrer mögen, und dieser muss fachlich kompetent und in der Lage sein, das Kind zu motivieren.

Die Nachhilfe-Institute bieten Einzel-Unterricht und Gruppenbetreuung an. Eltern müssen in der Regel einen Vertrag mit einer Mindestlaufzeit abschließen. Gruppenbetreuung ist preisgünstiger als Einzelnachhilfe. Beides hat Vor- und Nachteile. Wie auch für den Privat-Unterricht gilt: Einzelnachhilfe ist individueller und intensiver. Es gibt jedoch auch Kinder, die lieber mit Gleichgesinnten in einer Gruppe lernen. Das hat dann den Charakter einer Arbeitsgemeinschaft. Die Entscheidung ist auch eine Kostenfrage. Nach Angaben der Stiftung Warentest verlangten die großen Institute im Jahr 2006 zwischen 99 und 146 Euro pro Monat für zwei Unterrichtseinheiten à 90 Minuten pro Woche. Oftmals kommen Anmeldegebühren hinzu. Der Unterricht in der Gruppe ist preiswerter zu haben als die Einzelnachhilfe. Zum Vergleich: Privatlehrer berechnen zwischen fünf und 25 Euro pro Unterrichtseinheit.

Übrigens: Nach Meinung von Experten sind die eigenen Eltern als Nachhilfelehrer ungeeignet. Ihnen fehlt der emotionale Abstand. Ungeduld und Strenge können sich hemmend auswirken. Ein ansonsten gutes Verhältnis zwischen Eltern und Kindern kann getrübt werden.

Nach Gefühl entscheiden

Eine Qualitätssicherung oder eine staatlich vorgeschriebene Ausbildung für Nachhilfelehrer gibt es in Deutschland nicht. Die Angebote sind unüberschaubar. Jeder, der sich dazu berufen fühlt, kann seine pädagogischen Dienste anbieten oder ein Nachhilfeinstitut eröffnen, warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. So müssen Eltern nach Gefühl entscheiden, wem sie ihre Sprösslinge anvertrauen.

Einen privaten Lehrer sollten Eltern sich vom Klassenlehrer, von anderen Eltern und Mitschülern empfehlen lassen. Ein guter Nachhilfelehrer wird den Kontakt zur Schule suchen, um sich dort über Leistungsstand, Defizite und Lernstoff zu informieren.
Vergleichen Sie verschiedene Institute, machen Sie sich vor Ort ein Bild und vereinbaren sie eine Probestunde.

Die Gruppe sollte nicht zu groß (nicht mehr als fünf Kinder) und homogen sein. Das Unterrichten verschiedener Altersstufen, unterschiedlicher Schularten oder Fächer innerhalb einer Gruppe macht keinen Sinn. Die Räumlichkeiten sollten hell und freundlich gestaltet sowie dem Lernen angemessen eingerichtet sein.

Eine Erfolgsgarantie gibt es in der Pädagogik generell nicht. Wer Erfolg verspricht, ist unglaubwürdig. Wichtig ist stattdessen Hilfe zur Selbsthilfe: Das Kind sollte lernen, selbständig zu lernen.

Unterschreiben Sie nur Verträge mit kurzen Laufzeiten. Ideal ist es, wenn der Vertrag monatlich kündbar ist. Seriöse Anbieter geben Interessenten “das Kleingedruckte” mit nach Hause, damit diese die Verträge in aller Ruhe studieren können.
Ein gutes Institut testet vor Beginn der Nachhilfe das Leistungsvermögen des Kindes und steht in ständigem Kontakt zur Schule und arbeitet mit den vergleichbaren Lehrmitteln.

Ein Institut sollte klar machen können, welche Lehrmethoden es anwendet. Auch wenn es keine vorgeschriebene Ausbildung gibt, sollte der Nachhilfelehrer über pädagogische Erfahrung verfügen und diese auch nachweisen können. Der Lehrer sollte zudem nicht wechseln.